Windpark Höchstadt

30. Januar 2012

Nach einem Besuch in Ulsenheim versucht der Ortsverein Höchstadt Windenergie in den Fokus der Bevölkerung zu bringen.

Der Kernenergie den Rücken zu kehren, die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten zu senken und allen Bürgern eine nachprüfbare und nachhaltige Möglichkeit zur Beteiligung an einem Zukunftsprojekt zu geben sind schon lange politische Ziele des Höchstadter SPD-Ortvereins. In den Sitzungen wurde immer überlegt wie diese Ideen den Höchstadter Bürgern nahe gebracht werden können. Ein glücklicher Umstand wollte es, dass das Vorstandsmitglied Rainer Kuth mit dem Leiter der Musikschule Gerhard Geuder ins Gespräch kam. Herr Geuder wohnt selbst nicht in Höchstadt sondern in Ulsenheim bei Uffenheim. Diesem kleinen Ort mit knapp 400 Einwohnern ist schon ein großer Schritt in die gewünschte Richtung geglückt. Herr Geuder bot sich als Führer durch sein Dorf und einen ganz in der Nähe gelegenen Bürgerwindpark an.

Das wurde gern angenommen. Alle Höchstadter Bürger wurden - unter anderem durch das Amtsblatt - für den 17.09.2011 zu einer alternativen Energietour eingeladen. Der Ortsverein übernahm die Kosten des Busses. 42 Interessierte folgten der Einladung.

Schon vom Weiten sieht man die bereits in Betrieb genommenen Windräder. Der Geschäftsführer des Bürgerwindparks Gollhofen-Rodheim, Herr Erwin Keller begrüßte die Exkursionsteilnehmer, informierte ausführlich und stellte sich geduldig allen Fragen. Die Windanlage besteht aus 6 Rädern mit einer Nabenhöhe von 138 m. Das Investitionsvolumen beträgt 24 Millionen und wird von knapp 300 Privatpersonen getragen. Um Spekulanten abzuhalten, dürfen sich nur Personen, die von ihrem Grundstück aus die Anlage sehen können, an der Investition beteiligen. Der jährliche Stromertrag beträgt 30 Mio. kWh.

Nach einem sehr schmackhaften Mittagessen im „Schwarzen Adler“ präsentierte dann Herr Geuder sein Ulsenheim. Ihm und Gleichgesinnten war es gelungen seine Mitbürger zu einer autarken Fernwärmeversorgung in Kombination mit einer Biogasanlage zu überreden. Eine Biogasanlage bot sich an, da in Ulsenheim 15.000 Schweine gemästet werden, wobei viel Mist und Gülle als „Brennstoff“ entsteht. Gülle und Mist geben über einen längeren Zeitraum Methangas ab, das den globalen Treibhauseffekt der Erde verstärkt. Dieser Effekt wird durch die Verwertung in einer Biogasanlage vermieden. Die Gesamtanlage wurde mit Eigenmitteln gebaut und finanziert. Extreme Kälteperioden werden mit mehreren privaten Hackschnitzelheizungen überbrückt. Dafür erhielt Ulsenheim 2007 den westmittelfränkischen Energiepreis. Neben der Biogasanlage bietet Ulsenheim noch eine nachgeführte Freiflächen-Photovoltaik-Anlage zur Besichtigung.

Am späten Nachmittag bedankte sich die Gruppe bei Herrn Geuder für die Führung und fuhr mit den vielen neu gewonnenen Eindrücken zurück nach Höchstadt. Hier werden dann wohl die Teilnehmer darüber nachdenken, wie man diese Erkenntnisse in die Höchstadter Energiepolitik einfließen lassen kann. Ulsenheim mit seiner landwirtschaftlichen Prägung und überschaubaren Größe ist sicher als Vorbild geeignet aber die Situation nicht direkt auf Höchstadt übertragbar. Ein Weg wird sein, dass der SPD Ortsverein weiterhin diesbezügliche Anträge im Stadtrat einbringen wird. Bei der Vorbereitung dazu sind Anregungen aller Bürger willkommen.

Uli Hankel, Schriftführer SPD-Höchstadt

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